Wir treffen Rainer Langhans & Brigitte Streubel vor ihrem Abflug ins Dschungelcamp

Boulevard Schwan exklusiv!

Mittwoch, 16.45 Uhr: Via Taxi hole ich Rainer Langhans und Brigitte Streubel im tiefsten Schwabing ab. Brigitte Streubel lernte Rainer 1972 kennen und ist Rainers „jüngste" Lebensgefährtin. Sie zeigt mir ihre helle Wohnung. „Mein kleines Reich", sagt sie. Eine große weiße Couch, ein dachterrassenartiger Balkon und jede Menge feminine Atmosphäre. Ein Gegenstand fällt mir ins Auge. Eine Holzkonstruktion. „Das ist ein Kopfstandgerät. Das nimmt Rainer mit ins Dschungelcamp, aber das soll er besser selber erzählen."   

Während Rainer Langhans im RTL-Dschungelcamp „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" um den Titel des Dschungelkönigs kämpft, lässt es sich Brigitte Streubel, eine seiner fünf „Harems"-Frauen,  im 5-Sterne-Palazzo Versace in Gold Coast gut gehen ...

                                                                                                                                                                                             Fotos: Dimitri Davies
     
            What is love? Rainer Langhans weiß es: "Liebe ist Selbstfindung. Und etwas Geistiges, bei dem das Körperliche eigentlich stört"

Inzwischen ist Rainer Langhans – wie immer ganz in Weiß – ins Taxi gesunken. Und schon sind wir auf dem Weg zum Rotkreuzplatz, zum Fotostudio belichtungwert.de, wo uns Boulevard Schwan Fotograf  Dimitri Davies fürsorglich empfängt: „Was wollt ihr trinken?" Rainer Langhans nimmt heißes Wasser pur, Brigitte Streubel Bio-Kräutertee. Wir schließen uns an. Und duzen uns alle schnell. Brigitte „Brischit", wie sie sich bei Twitter nennt, stammt aus einer ganz anderen Szene als Rainer Langhans, erzählt von ihrer Modelära. Als hübscher Teenager arbeitete sie in Düsseldorf unter anderem für „Brigitte junior". 1969, mit 19 Jahren, ging sie auf Einladung einer Pariser Agentur in die Modemetropole an der Seine und startete eine internationale Fotomodell-Karriere, arbeitete unter anderem auch in Mailand, Rom und London. „Eine tolle Zeit", sagt sie rückblickend. „Aber alle sieben Jahre gab es in meinem Leben einen Umbruch, und so beschloss ich, Videofilmerin zu werden, habe unter anderem auch das Video „Die Fünf Tibeter" gedreht – meine eigene Yoga-Bibel übrigens", erklärt die noch immer schöne 60-Jährige. 
Rainer Langhans mustert derweil die bereitgestellte Deko im Fotostudio: „Was habt ihr denn mit den ganzen Tigerfellen und Spinnen vor? Das ist aber gar nicht meins, Tiger gibt es im Dschungel nicht." Und Kleingetier werde er dort auch nicht essen, schließlich sei er Veganer und habe eine spezielle Vereinbarung mit RTL. Statt Würmer, Spinnen oder Maden zu verzehren, bekommt er andere Aufgaben gestellt, so der Deal. Was diese genau sind, weiß der 70-jährige Dauerhippie natürlich nicht. Aber: „Mich kann da nichts abschrecken, Dschungelcamp ist für mich das Gleiche wie die Kommune 1, die wir am 1.1.1967 mit ins Leben gerufen haben", sagt er. Bereits vor zwei Jahren hat der Sender bei ihm angeklopft. „Doch als sie hörten, dass ich auf keinen Fall Tiere oder Teile davon esse, haben sie wieder abgesagt." Umso erstaunter war der Kommunarde, als der Sender jetzt auf seine Bedingungen einging. „Vielleicht werde ich eine neue Seite an mir kennen lernen und mich weiter  entwickeln." Eigentlich Erfahrungen ganz nach Rainers Geschmack. Angst habe er keine.

        Der ewige Hippie & Frauenversteher braucht kurz mal eine Entspannungspause: "Ommm." Dann geht es kritisch und gestenreich weiter ...
  
                         
Es winken 50.000 Euro ...

Aber, wie ist das denn nun mit dem Folterkopfstandgerät? Rainer Langhans lacht. Sympathisch. Seine Augen hinter der runden Brille lachen mit. „Ah", meint er. Und erklärt gestenreich: „Das ist eine ganz tolle Sache, du legst den Kopf in das Loch und die Schultern auf die Halterung und kannst bequem in die Kopfstandpose gehen." Eine praktische Yoga-Hilfe also, total gut zum Relaxen obendrein. In seinen Augen blitzt es: „Und wenn sich jemand daneben benimmt, steck ich ihn da rein." Schließlich dürfen die Dschungel-Kandidaten zwei persönliche Dinge mitnehmen: Bei Rainer Langhans ist es außerdem ein Pareo, ein Hüfttuch. Leider besitzt er keine Badehose in seiner Lieblingsfarbe Weiß. So werden die TV-Zuschauer ihn in schwarzer Hose sehen. Den Rest der Grundausrüstung besorgt der Sender selbst. Rainer Langhans grinst: „Wie beim Militär." Und extra für ihn gibt’s das Ganze aus veganem Material. Sogar die Schuhe sind ohne Lederanteile. Brigitte runzelt besorgt die Stirn: „Da hätte ich aber lieber was Hohes mit festen Sohlen genommen und nichts aus Stoff." Rainer macht es sich im Schneidersitz bequem. Brigitte hingegen hadert noch etwas: „Der Flug ist schon lang, irrsinnig lang, davor hab’ ich Bammel." Sie spielt mit einer Plastikspinne. Rainer tröstet: „Aber wir fliegen Business Class, da haben wir allen Luxus, es gibt sogar eine Lounge, da vergeht die Zeit schnell." Und wer kommt sonst noch mit? Die Gerüchteküche brodelt, die Presse spekuliert, Namen werden genannt und wieder verworfen, Tatjana Gsell zum Beispiel hat erst zu-, dann wieder abgesagt. Erst vor Ort stellt sich heraus, wer wirklich dabei ist. Derzeitiger Stand der Camper: Mit dabei sind Jahrhundert-Playmate Gitta Saxx, die süße Sängerin und Schauspielerin Indira Weis (früher Mitglied bei „Bro’Sis", jetzt Solo mit Single „Beautiful Destination"), Schauspielerin und Autorin Katy Karrenbauer („Hinter Gittern"), Heidi Klums Ex-Topmodel-Kandidatin Sarah Knappik, Peer Kusmagk (GZSZ, Moderator Sat.1-Frühstücksfernsehen) Frank Matthée (Wedding-Planer u.a. für Sarah Connor und Marc Terenzi), Thomas Rupprath (Schwimmstar und 2-facher Weltmeister), Eva Jacob von den Jacob-Sisters, Jay Khan (Band US5 und Ex von Germany's Next Topmodel Lena Gercke) sowie Schauspieler Matthieu Carrière. "Indira kenn ich, sonst niemanden. Und die letzten Staffeln habe ich auch nicht verfolgt", betont Rainer Langhans, „ich finde die Moderatoren unsäglich." Brigitte ergänzt: „Das wird er ihnen auch genau so sagen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund."

Das Private ist politisch

Hat er schon mal an einen Camp-Koller gedacht? „Als lebenslänglicher Kommunarde bin ich auf alles gefasst! Was kann noch kommen, was ich noch nicht erlebt habe? Das Camp ist eine verschärfte Kommune, da bin ich gerne dabei. Das war eine dreimonatige Klausur, völlig abgeschottet von der Außenwelt, hatten nur wir miteinander Kontakt", erzählt er und fügt hinzu: „Unsere Regeln damals: Kein Besitzdenken, kein Eigentum, keine Zweierbeziehung. Alles andere sollte sich ergeben, wir wollten uns neu (er-)finden. Unser Motiv damals: Nicht so zu werden wie unsere Eltern, die Mörder waren." Und was sind seine Stärken in der Gemeinschaft? „Ich habe gelernt, mit Menschen zu leben, mit diesen komischen Menschen, und ihre komischen Geschichten nicht mehr persönlich zu nehmen, sondern sie zu verstehen und mit ihnen Wege zu finden, besser zu werden. Tja, das ist es, wie ich heute lebe und wie ich denke, im Camp aufzutreten." Lebenshilfe vor Ort also: „Wenn es gefragt ist, ja." Und er ist der Rebell, heute in gezähmter Form. „Wenn Du das so willst, ja." Sieht er das Dschungelcamp als persönliche Herausforderung? „Wie auch schon bei Big Brother sehe ich mit Freude, dass Kommune-Erfahrungen gemacht werden. 1967 haben wir schon vorgelebt, dass das Private politisch ist. Das hat sich alles in diese Richtung entwickelt. Damals gab’s die Medien wie heute noch gar nicht. Die sind ja praktisch erst im Zuge der ganzen Kommunikations-Explosion in den letzten 40 Jahren entstanden. Beispiel Internet." 

Facebook ist die Kommune des 21. Jahrhunderts

Wirklich? Das hätten wir nicht gedacht. Brigitte: „ Er sitzt oft die ganze Nacht vorm Computer." Rainer: „Ich bin ein Internet-Freak. Medien sind Kommunikation, und ich bin ein Kommunikator. Facebook und andere social networks sind heute die Kommune!" Aber die Kommunen- Botschaft ist trotzdem angekommen. „Ja, unser Projekt hat geklappt, war der Vorreiter für Big Brother und Facebook. Heute leben die Leute ja viel kommunikativer, nicht mehr nur abgeschlossen in diesen Zweierbeziehungen. Das ist eine positive Entwicklung. Und die Kommune ist ein Versuch, miteinander zu wachsen und sich weiterzuentwickeln." Haben es junge Leute heute einfacher als früher? Rainer Langhans überlegt: „Heute hat man viel mehr Möglichkeiten. Ich komme sehr gut mit ihnen zurecht." Denkt er manchmal an den Tod, glaubt er an ein Leben danach? „Inzwischen ja. Ich habe Erfahrungen gemacht, die das nahelegen. Ich glaube da schon an die klassische Form von mehreren Leben und speziellen Aufgaben, die jeder im Leben zu bewältigen hat." 


  
Sie freut sich, dass sie als Camp-Begleitung auserwählt wurde. Er macht ein kleines Nickerchen zwischendurch 

Brigitte ist in Rainers fünfköpfigem Schwabinger Harem die Auserwählte, die ihn ins Dschungelcamp begleiten darf. Gab’s da keinen Stress mit den anderen Frauen? Brigitte Streubel: „Wir haben uns alle zusammengesetzt und diskutiert. Christa wollte erst auch, Jutta und Gisela nicht, und Anna hatte schon andere Pläne. Es wurde dann einstimmig beschlossen, dass ich ihn begleiten soll. Die letzten 10 Jahre habe ich sehr zurückgezogen gelebt und an mir gearbeitet. Jetzt muss ich auch mal wieder raus in die Welt.  „Harem" meint ein als soziales Experiment aufgefasste Lebensgemeinschaft. Anders als in einem orientalischen Harem haben die Mitglieder der Gruppe jeweils eigene Wohnungen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Außerdem haben Langhans’ Gefährtinnen teilweise Beziehungen mit anderen Männern. Neben Brigitte Streubel, die auch als Videokamerafrau und Filmemacherin gearbeitet hat, gehören noch die Ratinger Autorin und Filmemacherin Christa Ritter dazu, die Zwillingsschwestern Jutta Winkelmann (Fotografin, Autorin, Regisseurin und heute webdesignerin) und Gisela Getty (Fotografin, Autorin und Ex-Frau des Milliardärserben Paul Getty) sowie Anna Werner, die mit ihrer Mutter ein Café im Voralpenland geführt hat. Kurz, eine ziemlich illustre Runde. Und alle sind bei Facebook.

Harem oder WG?

Harem, WG, Kommune – ist eine Kommune nicht eine Mischung aus beidem? Rainer Langhans: „Nein. Bei einer WG leben Leute aus ökonomischen Gründen zusammen, verhandeln aber nicht ihre geistigen und Beziehungs-Geschichten miteinander. Kommune hingegen heißt, sich miteinander weiter zu entwickeln, miteinander zu wachsen in einer Intimität, die aber nicht sexuell ist, sondern weit darüber hinausgeht." Bevor ich nachhaken kann, ergänzt er: „Das ist aber sehr mit Vorurteilen behaftet... Jeder denkt, das Größte, was der Mensch machen kann, ist Sex, Sex, Sex." Keine Orgien? Rainer Langhans vehement: „Das hat die Presse und die ganze verklemmte Gesellschaft uns natürlich sofort unterstellt. Das war aber nicht so. Bei uns ging es um viel mehr." 
Und wie muss sich ein Außenstehender so ein Leben in der Kommune vorstellen? Man fastet gemeinsam, meditiert, sammelt Selbsterfahrung. Brigitte: „Ich hatte in den letzten 35 Jahren fünf Beziehungen zu anderen Männern, war immer auf der Suche nach Liebe, kam aber über die verblendete Verliebtheitsphase nicht hinaus. Nach dem Scheitern der Beziehungen konnte ich mich mit Rainer und den anderen Frauen damit auseinandersetzen. Dann habe ich gemerkt, dass ich selbst beziehungsunfähig bin und gar nicht begriffen hatte, was Liebe überhaupt ist." Und ihre Beziehung zu Rainer? „Er war einfach da, hat sich aber sämtlichen Besitzansprüchen von mir verweigert. Wir haben eine andersartige Intimität. Sie besteht darin, dass man sich selber fühlt und wahrnimmt. Er ist meine große Liebe, so groß, dass sie andere nicht ausschließt. Natürlich gibt es aber auch eine Seite an mir, die sagt, ich will ihn ganz für mich haben. Ich weiß aber, dass das niemals funktionieren würde. 1972 habe ich Rainer mit der damaligen Kommunardin Uschi Obermaier kennen gelernt. „Mit ihr bin ich auch heute noch befreundet, Rainer inzwischen nicht mehr. Sie haben sich über Uschis Film ‚Das wilde Leben", der 2007 in den Kinos lief, zerstritten." Sie zieht ihre schicke senffarbene Strickjacke mit dem Kunstfellkragen aus. Darunter trägt sie einen auberginefarbenen Rolli zur braunen engen Samthose. Hammerfigur. „Die Disziplin habe ich noch aus meiner Modelzeit, achte immer noch auf meine Figur." Auch später, beim Fotoshooting, ist ihre Model-Vergangenheit deutlich zu spüren. Sie posiert mit Freude vor Dimitris Kamera, streckt die Arme aus und dreht sich.

   

                                                    Einmal Topmodel, immer Topmodel: Brischit flirtet auch mit 60 noch mit der Kamera

Langhans predigt von der Liebe

Hand aufs Herz, ist Rainer Langhans in alle fünf Frauen verliebt? Ein deutliches „Nein" ist die Antwort und der Versuch einer Erklärung: „Ich liebe sie, aber alle auf verschiedene Weise, soweit sie sich überhaupt lieben lassen. Durch diese langen Jahre – mehr als 35 inzwischen – in denen ich die Frauen immer wieder sehe, mit ihnen intim bin, gibt es das, was man Liebe nennt." Und sinniert weiter: „Was ist denn überhaupt Liebe? Das ist doch die nächste Frage. Bei Liebe denken die meisten Leute an Sex, an gemeinsames Handeln, an gemeinsame Interessen. Ich habe selbst viel zum Thema Liebe gelernt, auch mit und durch Uschi Obermaier." 
Offenbar sind wir bei seinem Lieblingsthema angekommen, er gerät ins Philosophieren, bekommt fast eine übersinnliche Ausstrahlung, und doch klingt es souverän: „Liebe ist etwas Geistiges, bei dem das Körperliche eigentlich stört. Und die Liebe ist nicht die Liebe zum Menschen, so wie er ist, sondern die Liebe zu dem, was der Mensch werden kann. Diese Entdeckung kann schmerzhaft sein, wenn man aus seiner verblödenden Verliebtheit aufwacht... Da entwickle ich mich weiter, denn das Wichtigste ist, wie Brigitte gerade sagte, die Liebe zu sich selbst. Man kann sich aber nur dann lieben, wenn man sich kennt." Auch dafür will er seine Zeit in Australien nutzen: „Wenn ich im Dschungelcamp zum Beispiel etwas von mir erfahre, was ich bisher nicht an mir kannte, werde ich daran arbeiten können. Was ja die Herausforderung daran ist." Das Dschungelcamp als Selbsterfahrungstrip – wohl niemand sah es bislang unter diesem psychologisch-sozialen Aspekt. 

Seine Frauen hat er sich nicht ausgesucht – sondern sie ihn

Aber zurück zu den Frauen. Hat er keine Angst, dass eine von ihnen abspringt? „Sind wir doch immer wieder", antwortet Brigitte schneller als er, „aber es waren immer noch genug Frauen da", lacht sie,  „wir haben uns viel umgeguckt und waren mit sehr interessanten Männern zusammen." Und Rainer ergänzt: „Nein ich habe keine Angst, wieso auch? Selbst wenn eine geht, kommt sie wieder, weil sie merkt, wie gut unsere Verbindungen sind."  Klingt sehr harmonisch – da ist doch auch Ehrlichkeit wahnsinnig wichtig? Brigitte: „Ja, aber die tut auch weh. Rainer ist sehr direkt, und jede weiß genau, woran sie ist. Sich zu verändern braucht Zeit." 
Gibt’s eigentlich einen Besuchsplan? Heute Gisela, morgen Anna, übermorgen Christa? Rainer Langhans lacht: „Nein. Wir verabreden uns spontan zum Spazierengehen oder Meditieren. Wer Lust und Zeit hat, ist dabei. Das ist alles ganz locker." Wirklich? Keine Probleme? Najaaa...Brigitte outet sich: „Heute weniger als früher. Klar heißt es auch mal, mit dir war er zwei Stunden zusammen, mit mir nur zehn Minuten oder so was in der Art. Wenn es um Besitz oder mehr Aufmerksamkeit geht, fliegen schon manchmal die Fetzen. Aber uns Frauen verbindet auch viel, wir sind eher eine spirituelle Gemeinschaft, glauben an das Göttliche in uns. Damit hat auch die größere Liebe, die niemanden ausschließt, zu tun." Und sieht die Vorteile dieser allumfassenden Verbindung: „Wir Frauen verstehen uns zunehmend besser, können uns öffnen. Es gibt sehr zärtliche und nahe Momente zwischen uns. Es ist schon toll, langjährige Freundinnen zu haben. Früher war es schwierig, weil man von sich selbst so wenig wusste und den anderen noch weniger verstanden hat. Wir haben auch auf vieles verzichtet, zum Beispiel auf jeglichen Luxus. Wir haben uns abgequält und unsere Verhaltensmuster geändert. Wollen bessere Menschen werden." Faszinierend. Und deshalb steht Brigitte auch voll hinter Rainers Besuch im Busch. „Er soll weitergeben, was wir gemeinsam gelernt haben all die Jahre. Das ist eine Chance für uns alle." 
 
Lieber nur ein Fünftel Rainer als gar nicht

Trotzdem: Versuchen Frauen denn nicht manchmal, Rainer zum Heiraten zu bekehren? Rainer: „Natürlich haben sie es probiert. Und wenn sie merkten, es geht nicht, gingen sie enttäuscht weg." Brigitte: „Es ist eine wunderbare Konstellation, keine läuft Gefahr, von ihm abhängig zu werden oder in alte Schemata zu verfallen oder sich zu verlieren. Das ist ein langer Weg, aber: Ein Fünftel Mann reicht. Ich bin sowieso der Meinung, dass zuviel Nähe einer Beziehung schadet." Sie fährt sich durchs kurze Haar. „Und was wir an Rainer nicht verstehen konnten, mussten wir dann oft untereinander noch besprechen – oder uns gegenseitig beruhigen." 
 
Knebelverträge

14 Tage Regenwald, am 31. Januar Rückkehr nach München. Doch Erholung steht nicht auf dem Plan. „14 Tage Exklusivität" nennt sich das, „da bin ich nur für RTL und Interviews da." Stichwort München. Wie es sich die letzten 40, 50 Jahre in seinen Augen verändert hat? „Ehrlich gesagt, kenn’ ich München kaum außerhalb unserer Gruppe, bin ja auch nie in Discos oder zu Verantaltungen gegangen. Aber es hat sich weiter entwickelt." Und wo trifft man ihn, wenn er denn mal seine vier Wände für Interviews verlässt: im Basic-Restaurant, auf der Terrasse der Villa im Bamberger Haus im Luitpoldpark, im Englischen Garten oder früher beim Veganer ‚Zerwirk‘. Weder Fisch noch Fleisch, keine Eier. Wovon ernährt man sich da? Überwiegend von Rohkost, Tofu und in Winter von Kartoffeln. Brigitte: „Er ist berühmt für seine Thüringer Klöße." Schade, im Dschungelcamp wird er wohl kaum Chancen haben, seine Mitstreiter damit zu verwöhnen. 
Ist ihm nicht doch ein wenig mulmig vor dem Leben fernab der Zivilisation? „Überhaupt nicht. Das ist optimal, mit wie wenig man dort leben muss. Das bin ich ja gewöhnt", lacht er, „intensiv mit Menschen zusammen leben und sich den Herausforderungen stellen, das mache ich praktisch mein Leben lang." Auch wenn er Brigitte in der Nähe weiß, sehen werden sie sich nicht. Sie wird die 14 Tage im Hotel mit den anderen Begleitpersonen und RTL-Drehteam verbringen. 

Gegendarstellung beim Onlineshop Zalando

Rainer Langhans stockt. „Ich muss los, zum Flieger nach Berlin. Da bin ich bei Zalando. Hatte gedroht, sie zu verklagen, die Werbung ist ja eine grauslige Persiflage auf mich.... Zalando hat noch abgestritten, dass ich das sein soll, kam aber damit nicht durch. Die haben sich sogar eigens die Brille und die Perücke aus Uschis Film geliehen. Nun wird eine Gegendarstellung fürs Internet gedreht, praktisch ein neuer Spot." -  Also, wir finden die Werbung eigentlich ganz lustig... „Aber wie der Typ schreit."  Zuhause schicken wir Brigitte und Rainer gleich eine Freundschaftsanfrage für Facebook. So bleiben wir miteinander verbunden. Schöne neue Welt! Wir halten Sie auf dem Laufenden ...

                                                                 Das Interview führte Daniela Schwan 

                                 
                           "Oops, was geht denn hier ab? Ah, Daniela will, dass wir ins Mirko singen. Komm Rainer, mach doch mit!"


P.S. Und hier der Zalando Spot:   http://www.youtube.com/watch?v=i8dfMHFP_dU

About Rainer Langhans 
Auch wenn man es heute kaum glauben mag – es gab durchaus eine bürgerliche Lebensphase bei Rainer Langhans. 1940 in Oscherleben/Bode bei Magdeburg geboren (Vater Dr.rer.nat. und Flugzeugingenieur, Mutter hat Chemie studiert), wuchs er in Jena auf und gehörte in der DDR zu den Jungen Pionieren. Anfang der 50-er Jahre Übersiedlung in den Westen, und in den unruhigen 60-er Jahren begann seine aktive Zeit als Kommunarde. Zunächst meldete er sich freiwillig bei der Bundeswehr, begann eine Offiziersausbildung, dann zwei Semester Jura in Berlin, Psychologie-Studium. Weitere Stationen: Kommune, Happenings, Aktionen, Subkultur, Drogen, Musik und Beziehung mit Uschi Obermaier, Symbolfigur der 68er-Bewegung. In den 70-ern dann sein zweites Leben: Rückzug aus der Szene, Meditationen, Beschäftigung mit spirituell-esoterischen Inhalten und Zusammenarbeit vor und hinter der Kamera mit Rainer Werner Fassbinder, Mitwirkung in Filmen wie „Das Tal der Blinden" (ZDF), erste Versuche als Autor, Mitarbeit bei den Grünen, Dokumentarfilme mit Christa Ritter. Ihre gemeinsame Doku „SchneeweißRosenrot" über die Zwillinge Gisela Getty und Jutta Winkelmann gewinnt 1994 den Adolf-Grimme-Preis. 1998 bis 2001: Mitwirkung an der Loveparade, am Kinofilm über Uschi Obermaier „Das wilde Leben" wirkte er als Berater mit. 2008 veröffentlichte er seine Biografie „Ich bin’s – die ersten 68 Jahre" und mit Christa Ritter „K1 – Das Bilderbuch der Kommune". Dann schrieb er im Internet-Autorenportal „Philibuster" und beantwortete für Focus online Leseranfragen mit Videoblogs.  

About Brigitte Streubel 
1950 geboren, arbeitete Brigitte Streubel von 1969-1976 als Fotomodell in Paris, Mailand, London und immer wieder in Deutschland. 1972 lernte sie Rainer Langhans, Uschi Obermaier und Anna Werner in München kennen, 1976 begengnete Rainer Jutta Winkelmann, und zu dritt gründeten sie den später sogenannten Harem. 1979 kam Christa Ritter dazu und später immer wieder zu Besuch Gisela Getty. 1975+1976 versuchte sie sich als Schauspielerin in zwei Kinofilmen: „Der Zweite Frühling" neben Curd Jürgens in der Hauptrolle, Regie Ulli Lommel und „Smash - Gefahr aus der Unendlichkeit" (HFF), Regie Gisela Weilemann, arbeitete außerdem als Aufnahme-, Produktionsleiterin und Regieassistentin für Spielfilme, machte sich als Videokamerafrau 1982 selbständig und war  Autorin und Regisseurin für TV-Produktionen und Yoga-Trainerin. 2003 produzierte tv-münchen/tv-berlin „Kommune – 5 Frauen + 1 Mann", ein soziales Experiment. Drei Wochen war der Münchner „Harem" täglich eine 1 Stunde auf Sendung. Danach gehörte der „Harem" zur regelmässigen ‚Familie’ von RTL-explosiv. 10/08 Interview-Gast bei Wissen aktuell im ZDF: „Sex im Alter" und 3/09 war sie Mitautorin des Buches: „Das Glücksgeheimnis" von Bärbel Schäfer.


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