Autorin und Bühnenschauspielerin Josefine Jansen möchte anderen Menschen Mut machen

"Meine ganz persönliche Armut"

So ein Leben könnte man gar nicht erfinden. Aufregender als jeder Roman, melodramatischer als jeder Kinofilm, aber Josefine Jansen hat alles hautnah erlebt. „Hautnah", so heißt auch die packende Autobiografie der Schauspielerin, die jüngst erschienen ist. Ein Leben, spannend wie ein Drehbuch. Es erfüllt uns daher mit besonderem Stolz, dass die Grande Dame der Bühne die Leser von Boulevard Schwan an ihren vielfältigen Lebenserfahrungen teilhaben lässt. Weisheiten und Erkenntnisse, die sie selbst im Laufe ihres 83-jährigen Lebens zusammengetragen hat, mal nach schicksalhaften persönlichen Erlebnissen, mal eher zufällige Entdeckungen. Exklusiv verrät Josefine Jansen sie in unserer Rubrik „Gedankensprung": außergewöhnlich, einfühlsam, zum Nachdenken anregend. Und erstaunlich aktuell, obwohl die lebenskluge Künstlerin einer gänzlich anderen Generation entstammt. Es sind Themen darunter wie „Armut", „Verlust geliebter Menschen" oder „Wie man seine Willensstärke aktiviert" – lesen Sie selbst.


                                                      Bühnenschauspieler & Autorin Josefine Jansen    Buchcover Hautnah von Josefine Jansen    


Aus meinem behüteten Leben wurde ich am 2. Januar 1945 von einer Minute auf die andere in die totale Armut katapultiert.

Wie so oft waren wir beim Aufheulen der Sirenen in den Luftschutzkeller gehastet, um nach der Entwarnung vor dem rauchenden Trümmerhaufen des dreistöckigen Patrizierhauses mit unserer 5-Zimmer-Wohnung zu stehen. Wir besaßen nur noch, was wir am Leibe trugen.
Für meine Mutter brach eine Welt zusammen. Alles, was sie ererbt, was sie in 40 Jahren selbst geschaffen hatte, war ein Raub der Spreng- und Brandbomben, war zu Staub und Asche geworden. Für mich mit meinen 17 Jahren und meinem unzerstörbaren Idealismus waren materielle Dinge eher zweitrangig. Ich sah nur, dass wir lebten, wo Zigtausenden ihr Leben auf grausamste Weise genommen worden war.

Die bitterkalte Nacht verbrachten wir in den Ruinen, am nächsten Morgen wurden wir in einem Bunker untergebracht, in dem zahllose vor uns Ausgebombte ihr karges Dasein fristeten. Wir hockten in den Gängen mit dem Rücken zur Wand, warteten auf den nächsten Angriff und auf die Suppe und den Tee, die wir bekamen. Nach zehn Tagen wurden wir bei einem Rentner an der Peripherie von Nürnberg zwangseingewiesen. Wir bekamen Lebensmittelmarken und eine Kleidermarke für einen Mantel – und ich musste meine Kriegsdienstverpflichtung in einem Rüstungsbetrieb wieder aufnehmen. Hunger war unser ständiger Begleiter. 

Auch in den Nachkriegsjahren,wo wir die sogenannte „neue Armut" erlebten, nagten wir am Hungertuch. Bei der Währungsreform wurden wir mit einer vom Gesetz angeordneten Armut konfrontiert. Das wenige, mühsam erarbeitete Geld war wertlos. Mit nur 50 Mark mussten wir unser „besseres" Leben starten! Diese Armutsjahre habe ich nur dank meiner positiven Lebenseinstellung unbeschadet überwunden. Ich war stets überzeugt, dass schlussendlich alles Negative nur ein Weg zum Positiven ist.

Damit möchte auch den Boulevard Schwan-Lesern Mut machen, egal in welcher Lebenslage sie sich gerade befinden.

Ihre 
Josefine Jansen


About Josefine Jansen:

Josefine Jansen, 1927 in Nürnberg geboren, wächst mit den Zwängen des Hitler Regimes, den Entbehrungen des Krieges und den verheerenden Fliegerangriffen der Alliierten auf. Trotzdem beginnt sie bereits mit Fünfzehn ihre Schauspielausbildung. 1944 wird sie zum Kriegsdienst in einer Rüstungsfirma zwangsverpflichtet, 1945 total ausgebombt. Kurz darauf gelingt ihr die Flucht zu Verwandten nach Norddeutschland, wo sie dem Einmarsch amerikanischer Kampftruppen erlebt. Nach Kriegsende kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und spielt bei diversen Tourneebühnen, am Nürnberger Schauspielhaus, bis sie 1952 ein eigenes Wandertheater gründet. Ihre vielversprechende Karriere wird durch Schicksalsschläge unterbrochen. Mit der Heirat eines deutschen Diplomaten 1956 beginnt das drei Jahrzehnte andauernde Abenteuer ihres Lebens in exotischen Ländern. Sie lebt in der Stadt von „1000 und 1 Nacht", im dunkelsten Afrika und im Land der aufgehenden Sonne. Bagdad, Monrovia/Libera, Kinsheasa/Kongo, Paris und Tokio sind die Stationen ihrer 27-jährigen Theaterproduktion. Für die stets neu ins Leben gerufene „Studio Bühne" bildet sie begabte Laien aus, entwirft und fertigt Kostüme, zeichnet verantwortlich für die Masken, inszeniert und steht selbst auf der Bühne mit großen Erfolg. 1986 setzt sie ihre engagierte Theaterarbeit in München fort. Nach dem Tod ihres Mannes beginnt sie ihre zweite Karriere als Schriftstellerin. Sie schreibt ein Drehbuch, das ihr filmreifes Leben zum Thema hat. 2005 erscheint ihre Autobiografie „SKIN-CLOSE" auf dem amerikanischen Buchmarkt. 2009 publiziert der novum Verlag  (de.novumpro.com) die deutsche Version unter dem Titel „HAUTNAH".  Sie arbeitet derzeit bereits an ihrem nächsten Buch, das von ihrem weiterhin außergewöhnlichen Leben erzählt. Josefine Jansen lebt in München/Nordschwabing und in Sarasota/Florida.







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