Schauspielerin und Autorin Josefine Jansen berichtet, wie sie den Tod ihres Sohnes verkraftet hat

Verlust geliebter Menschen

So ein Leben könnte man gar nicht erfinden. Aufregender als jeder Roman, melodramatischer als jeder Kinofilm, aber Josefine Jansen hat alles hautnah erlebt. „Hautnah", so heißt auch die packende Autobiografie der Schauspielerin, die jüngst erschienen ist. Ein Leben, spannend wie ein Drehbuch. Es erfüllt uns daher mit besonderem Stolz, dass die Grande Dame der Bühne die Leser von Boulevard Schwan an ihren vielfältigen Lebenserfahrungen teilhaben lässt. Weisheiten und Erkenntnisse, die sie selbst im Laufe ihres 83-jährigen Lebens zusammengetragen hat, mal nach schicksalhaften persönlichen Erlebnissen, mal eher zufällige Entdeckungen. Exklusiv verrät Josefine Jansen sie in unserer Rubrik „Gedankensprung": außergewöhnlich, einfühlsam, zum Nachdenken anregend. Und erstaunlich aktuell, obwohl die lebenskluge Künstlerin einer gänzlich anderen Generation entstammt. Es sind Themen darunter wie „Armut", „Verlust geliebter Menschen" oder „Wie man seine Willensstärke aktiviert" – lesen Sie selbst.


  
Josefine Jansen heute ...                                            ... und nach dem Krieg       In ihrer  Biographie "Hautnah" beschreibt sie offen ihre Ups & Downs

Wie es Josefine Jansen schafft, mit schmerzhaftem Verlust umzugehen, erfahren Sie hier:
"Zum ersten Mal in meinem Kinderleben wurde ich mit dem Tod konfrontiert, als meine Großmutter starb. Seitdem endeten meine Gute-Nacht-Gebete stets mit dem Satz: „Lieber Gott, lass meine Mutter länger leben als mich!" Ein Leben ohne meine Mutter schien mir undenkbar. Ich hatte die Endgültigkeit des Sterbens begriffen. Als fast 30 Jahre später meine Mutter starb, war ich alt genug, um das Unabänderliche zu akzeptieren. Trotzdem trauerte ich lange und denke heute noch – ein halbes Jahrhundert später – mit Wehmut an sie zurück. Als mein Mann nach 34 Ehejahren starb, traten die Worte des Priesters in mein Bewusstsein: „Bis dass der Tod Euch scheidet!" Und unbeschwert denkt man nicht an morgen. Man glaubt, dass es ewig weitergeht, dass man zusammen alt, älter, uralt wird. Wir verdrängen den Gedanken, dass einer zuerst gehen muss. Wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, sind wir fassungslos. Wir trauern um einen Teil von uns, der mit dem Partner gegangen ist.
Als mein Sohn mit nur 50 Jahren starb, war das mit keinem von mir erlittenen Tode zu vergleichen. Sein Tod stellte meine Existenz auf den Kopf. Ein Kind zu überleben ist unnatürlich, unsinnig, grausam. Glaube und Hoffnung werden gewaltsam ersetzt durch das Wissen um die Fragwürdigkeit des Daseins.
Wer sind wir? Wozu sind wir auf dieser Welt? Warum wird ein unvollendetes Leben zerstört? Was geschieht mit all dem, was unser Leben bestimmt  hat?
Es ist müßig, auf Antworten zu warten. 
Auch wenn man an ein Weiterleben in irgendeiner Form glaubt; die Tatsache, dass der Mensch, der ein Teil unseres Lebens war, nicht mehr bei uns weilt, schmerzt zutiefst. Wir sind „Hinterbliebene" – eine „Rolle", die wir erst lernen müssen.
Wir sollten trotzdem dankbar sein.  Dankbar für die Zeit, die uns mit den Dahingegangenen gegeben war. Dankbar, dass wir durch unsere Trauer den geliebten Menschen „weiterleben" lassen können..."

Nicht nur die Seelen der Menschen sind unsterblich -
 sondern auch ihre Handlungen:
Sie leben fort in ihren Wirkungen.
Leibniz

About Josefine Jansen:
Josefine Jansen, 1927 in Nürnberg geboren, wächst mit den Zwängen des Hitler Regimes, den Entbehrungen des Krieges und den verheerenden Fliegerangriffen der Alliierten auf. Trotzdem beginnt sie bereits mit Fünfzehn ihre Schauspielausbildung. 1944 wird sie zum Kriegsdienst in einer Rüstungsfirma zwangsverpflichtet, 1945 total ausgebombt. Kurz darauf gelingt ihr die Flucht zu Verwandten nach Norddeutschland, wo sie dem Einmarsch amerikanischer Kampftruppen erlebt. Nach  Kriegsende kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück und spielt bei diversen Tourneebühnen, am Nürnberger Schauspielhaus, bis sie 1952 ein eigenes Wandertheater gründet. Ihre vielversprechende Karriere wird durch Schicksalsschläge unterbrochen. Mit der Heirat eines deutschen Diplomaten 1956 beginnt das drei Jahrzehnte andauernde Abenteuer ihres Lebens in exotischen Ländern. Sie lebt in der Stadt von „1000 und 1 Nacht", im dunkelsten Afrika und im Land der aufgehenden Sonne. Bagdad, Monrovia/Libera, Kinsheasa/Kongo, Paris und Tokio sind die Stationen ihrer 27-jährigen Theaterproduktion.  Für die stets neu ins Leben gerufene „Studio Bühne" bildet sie begabte Laien aus, entwirft und fertigt Kostüme, zeichnet verantwortlich für die Masken, inszeniert und steht selbst auf der Bühne mit großen Erfolg. 1986 setzt sie ihre engagierte Theaterarbeit in München fort. Nach dem Tod ihres Mannes beginnt sie ihre zweite Karriere als Schriftstellerin. Sie schreibt ein Drehbuch, das ihr filmreifes Leben zum Thema hat. 2005 erscheint ihre Autobiografie „SKIN-CLOSE" auf dem amerikanischen Buchmarkt. 2009 publiziert der novum Verlag  (de.novumpro.com) die deutsche Version unter dem Titel „HAUTNAH".  Sie arbeitet derzeit bereits an ihrem nächsten Buch, das von ihrem weiterhin außergewöhnlichen Leben erzählt. Josefine Jansen lebt in München/Nordschwabing und in Sarasota/Florida.
     

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